[Blog] Wird es jemals wieder gut?

Eine Klientin, die ihr Kind im letzten Schwangerschaftsmonat verloren hat fragt mich, ob es jemals wieder gut werden kann?

 

Der Tod ihres Kindes ist schon eine Zeit lang her und die ganz akute Trauer überstanden, dennoch tut es immer wieder weh, wenn sie Paare mit Babys sieht. Der Schmerz ist ständig im Hintergrund präsent und kommt wieder durch, wenn sie an ihre tote Tochter erinnert wird. Die Bilder kommen wieder hoch ... Hört das jemals auf, kann es wieder gut werden?

 

Was heißt denn "wieder gut"?

 

Hier stellt sich für mich zunächst die Frage: was heißt denn "wieder gut sein" eigentlich?

 

Sei vorsichtig mit Idealvorstellungen davon, wie die "optimale" Aufarbeitung eines schweren Verlustes aussehen sollte und wie du danach idealerweise sein solltest.

 

Dann kann es passieren, dass du dich in deinem jetzigen Zustand, der noch nicht diesem Ideal entspricht (oder wenn du mal einen "Rückfall" hast), ablehnst.

 

Vielleicht denkst du dann innerlich: Oh nein, nicht schon wieder diese Traurigkeit! Hört das denn nie auf? Kannst du es nicht endlich akzeptieren und damit Frieden schließen? Andere Leute wären sicher schon längst darüber hinweg! So kannst du langsam nicht mehr unter die Leute gehen!

 

Glaubst du, es dürfe ab einem bestimmten Zeitpunkt (z.B. nach einem Jahr) nicht mehr wehtun? Meinst du, du müsstest jetzt endlich abschließen und wieder nach vorne schauen?

 

Dann kann es sein, dass es auf eine Art nie mehr wieder gut wird, denn vielleicht wirst du diesem Ideal nie entsprechen - und vielleicht tut es in Wirklichkeit kein Mensch!

 

Es darf immer noch weh tun!

 

Deshalb ist meine Antwort auf die obige Frage: Ja und Nein.

 

Nein, weil ein so schwerer Verlust meist nie völlig überwunden wird. Es kann immer wieder weh tun, vor allem in Situationen, die die Erinnerungen wieder hochbringen - wenn auch von Jahr zu Jahr vielleicht ein bisschen weniger. Das ist ganz normal und angemessen.

 

Es gibt kein allgemein gültiges "Wieder Gut"-Sein! Es macht in meiner Erfahrung keinen Sinn, so eine Vorstellung über deinen individuellen Trauerprozess zu stülpen und zu bestimmen, wann du "darüber hinweg" sein solltest und wie das auszusehen hat.

 

Das Auf und Ab gehört dazu und du machst es dir unendlich viel schwerer, wenn du fest gelegte Vorstellungen davon hast, wie "endlich gut" aussehen sollte. Es ist ein Prozess, der sich ständig wandelt und vermutlich nie ganz ans Ende kommt!

 

Ja, es kann gut werden!

  

Andererseits bin ich überzeugt: Ja, es kann alles wieder gut werden! Du kannst eines Tages wieder glücklich sein! Wenn ich das nicht glauben würde, könnte ich meinen Job schlecht machen. Doch ich sehe immer wieder Klienten*innen, die sich selber mit ihrer Vorstellung davon quälen wie und wann es gut zu sein hätte!

 

Deshalb ist es mir so wichtig dir zu sagen, dass alles gut sein kann, selbst wenn du jetzt noch nicht glücklich bist oder nur manchmal. Es kann alles gut sein, selbst wenn der Schmerz noch da ist oder immer wieder aufflackern wird. Selbst wenn du immer noch weinst und in Zukunft immer mal wieder weinen wirst. Selbst wenn du an manchen Tagen keinen Sinn im Leben siehst.

 

Was es gut macht ist, wenn du und andere für dich da sind. Wenn du dich nicht verurteilst dafür, wie dein Weg der Trauer aussieht.

 

Soziale Unterstützung als wichtigster menschlicher Resilienzfaktor

 

Resilienz bedeutet Widerstandsfähigkeit, d.h. die Fähigkeit Krisen zu bewältigen und gestärkt aus ihnen hervor zu gehen.

  

Der wichtigste menschliche Resilienzfaktor ist soziale Unterstützung! Wir sind zutiefst soziale Wesen und brauchen einander, um Freude und Leid zu teilen! Ohne soziale Unterstützung ist Leid schwer zu ertragen!

 

Oft rauben wir uns selbst die Chance auf soziale Unterstützung, weil wir entweder niemanden an uns heranlassen oder weil wir uns selbst nicht als Quelle sozialer Unterstützung wahrnehmen!

 

Scham und Schuldgefühle

 

Im Zusammenhang mit Verlusten kommt es oft zu Scham und Schuldgefühlen. Du glaubst, mit dir stimme etwas nicht, weil dir das passiert ist. Du denkst, du hättest es verhindern können, wenn du nur dies und das anders gemacht hättest.

 

Du schämst dich möglicherweise auch deiner Gedanken und Gefühle, die manchmal irrational und sich ständig wiederholend sind.

 

Scham und Schuld gedeihen am Besten im Schweigen! Wenn du dich nicht mit anderen darüber austauschst, dann wirst du nie erfahren, ob es nicht jemanden gibt, der dich versteht. Dann wirst du nie sehen, dass es anderen Menschen in ähnlichen Situationen auch ähnlich geht! Und du wirst nie das erleben, was es tatsächlich wieder gut machen kann: Unterstützung, Trost und Verständnis!

 

Selbst wenn die Trauer noch eine ganze Weile bleibt und immer wieder aufflackert, so kann soziale Unterstützung es dennoch auf vielfältige Weise wieder gut machen!

 

Selbstmitgefühl

 

Natürlich können andere Menschen nicht immer 100 %-ig für dich da sein. Sie haben ihre Grenzen und Verpflichtungen. Sie können nicht alles verstehen und dich nicht immer trösten und unterstützen.

 

Wie gut, dass es da die wichtigste Person in deinem Leben gibt, nämlich DICH!

 

Du kannst es tatsächlich wieder gut machen, indem du dich nicht dafür verurteilst, wenn du trauerst - egal, wie lange es dauert! Indem du Verständnis für dich hast und dich nicht mit deiner Vorstellung davon vergleichst, wie andere damit umgehen würden. Indem du liebevolle und mitfühlende Worte zu dir sprichst, so wie du es mit einem guten Freund oder einer guten Freundin in deiner Situation machen würdest.

 

Das kann eines der ganz großen Geschenke aus dem Verlust sein, dass du dir selbst zum Freund bzw. zur Freundin wirst!

 

Auch wenn die Trauer noch eine Weile bleibt oder immer wieder aufflackert, kann alles wieder gut werden, wenn du anderen erlaubst, dich so zu sehen, wie du bist und wenn du dir selbst Mitgefühl und Verständnis entgegen bringst! Das kann dein Leben für immer verändern und bereichern!

 

Kostenlose Meditation

 

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