Glaube nicht alles, was du denkst! Wie Trauer zu Liebe, Mitgefühl und Dankbarkeit werden kann!

Verluste sind schmerzlich - gar keine Frage! Ich will das nicht verniedlichen, denn dazu habe ich selbst zu sehr unter Verlusten gelitten!

 

Doch leiden wir tatsächlich immer an den Verlust selbst - also an der Tatsache, dass jemand durch Tod oder Trennung von uns gegangen ist? Oder leiden wir auch an unseren eigenen Gedanken über diesen Verlust?

 

Ich bin im Laufe der Jahre durch eigene Erfahrung und durch meine Arbeit mit Menschen zu der Einsicht gekommen, dass viel von unserem Leid nach Verlusten "hausgemacht" ist. Damit will ich nicht sagen, du seist selbst schuld an deinem Leid und dir daraus einen Vorwurf machen! Wir alle haben eine über Generationen hinweg erlernte Bereitwilligkeit unseren Gedanken zu glauben!

 

Was meine ich mit "Gedanken"?

 

Gedanken sind unsere Interpretatoren der Realität, die permanent und in Bruchteilen von Sekunden bestimmen, welche Aspekte der Realität in unser Bewusstsein dringen (alles auf einmal wäre viel zu viel für unser Gehirn!) und diese bewerten.

 

Wie wir bewerten hängt von vielen Faktoren ab, z.B. von unseren eigenen vergangenen Erfahrungen, aber auch von den Erfahrungen unserer Umgebung, also den Bewertungen, die wir durch unsere Eltern, unsere Familie und Freunde, unsere Gesellschaft und Kultur mitbekommen haben.

 

Doch Gedanken sind nicht nur Wörter und Sätze, die durch unser Gehirn zischen, sondern auch Bilder, Assoziationen, Erinnerungen und Zukunftsszenarios, die uns durch den Kopf gehen. Insbesondere unser unbewusstes bzw. teilbewusstes emotionales Gehirn "denkt" nicht in Worten, sondern in Bildern. 

 

Andauernd gehen uns also Gedanken in Form von Worten und Bildern durch den Kopf und bestimmen unser inneres Erleben - und zwar vollständig! Deshalb spricht der bekannte Hypnosystemiker Gunther Schmid gerne von Wahr-Gebung, statt Wahr-Nehmung. Damit will er zum Ausdruck bringen, dass wir mitnichten etwas Objektives da draußen wahr-nehmen, sondern dass wir vielmehr durch unsere inneren Prozesse der Realität unsere subjektive Wahrheit wahr-geben. 

 

Wir sind tatsächlich die kreativen Köpfe hinter unserem eigenen Erleben - auch wenn viel von dem, was geschieht, un- bzw, halbbewusst und in rasender Geschwindigkeit passiert, sodass wir es uns erst bewusst machen müssen, bevor wir es verändern können!

 

Verlusterlebnisse ziehen meist eine ganze Flut relativ typischer Wahr-Gebungen nach sich:

 

  • Oft werden Verluste als katastrophal bewertet,d.h. als eine Art zerstörerische Naturkatastrophe, die über einen hereingebrochen ist. Durch die dauerhafte alleinige Konzentration auf diesen "Katastrophen-Rahmen" entstehen Glaubenssätze wie "Mein Leben ist vorbei", "Es ist hoffnungslos" oder "Ich werde nie wieder glücklich sein". Es entstehen z.B. Bilder im Kopf, die die schöne Vergangenheit mit der schrecklichen Zukunft kontrastieren. Vorstellungen von einer glücklichen gemeinsamen Zukunft sind plötzlich nichtig!

    Doch ist das wirklich wahr? Kannst du es wirklich sicher wissen, dass dein Leben vorbei ist? Dass du nie mehr glücklich sein wirst?
    Ganz ehrlich: natürlich nicht! Du bist ja kein Hellseher! Doch die Bilder von der ewigen Traurigkeit scheinen so real!
    Was macht es aber mit dir, das zu glauben?
    Wie sähe deine innere Welt aus, wenn du diesen Gedanken nicht glauben würdest?

  • Verluste triggern in uns das, was der berühmte buddhistische Meister Thich Nhat Hahn unser "inneres verletztes Kind" nennt. Verluste reaktivieren alle unsere bisherigen Erlebnisse von Verlassenheit, Einsamkeit, Im-Stich-Gelassen-Sein und wir leiden oft nicht nur psychisch, sondern auch physische Trennungsschmerzen. Wir fühlen uns ausgeliefert und hilf- und hoffnungslos, wie Kinder. So entstehen Glaubenssätze, die mit dem zu tun haben, was wir aus diesem Kind-Ich heraus zu brauchen glauben z.B. "Er/sie hätte nicht gehen sollen", "Ich brauche seine/ihre Nähe" oder "Ohne ihn/sie kann ich nicht leben". Oft gehen uns un- oder halbbewusst Erinnerungen an frühere Verlusterlebnisse durch den Kopf.

    Wie wäre es, dich diesem inneren verletzten Kind zuzuwenden, anstatt weiterhin im Außen nach etwas zu suchen, was letztlich nur du dir wirklich geben kannst!
    Wie sähe dein inneres Erleben aus, wenn du dieses verletzte Kind erkennen und trösten würdest? 

  • Im Falle von Verlusten spielen nicht nur unsere Erinnerungen an eigene schon erlebten Verluste (bis in frühkindliche und sogar vorgeburtliche Zeiten) in unser aktuelles Erleben mit hinein, sondern auch die unserer Eltern und Großeltern, sowie alles, was in unserer sozialen Umgebung und in unserer Kultur über Verluste geglaubt wird.

    Auch hier können wir Bilder im Kopf haben, die uralt sind - manchmal sogar älter als wir selbst. Die moderne Hirnforschung nimmt mittlerweile z.B. an, dass wir traumatische Erinnerungen unserer Eltern übernehmen können. Auch Erinnerungen an Verluste können sich transgenerational weiter vererben - und wir wundern uns dann, wo wir manche Bilder im Kopf herhaben oder warum wir so "dramatisch" auf bestimmte Dinge reagieren!

    Wie wäre es, wenn du wüsstest, dass diese Bilder nur Bilder in deinem Kopf sind und nicht die Wahrheit? Dass sie nichts über dich bedeuten, vielleicht noch nicht einmal dir gehören?

  • Weitere typische Wahr-Gebungen nach Verlusten sind Bewertungen rund um den Selbstwert, um Scham und Schuld, wie z.B. "Ich war nicht gut genug", "Ich hätte es verhindern müssen", "Ich bin schuld, weil ...", "Mit mir stimmt etwas nicht". Scham entsteht zusammen mit den Ideen darüber, was andere von uns denken würden, wenn sie all das von uns wüssten!.

    Wer wärst du, wenn du in der Lage wärst, dir 100 %ig zu vergeben für das, was du deiner Meinung nach falsch gemacht hast? Wie würdest du dein Leben leben, wenn du nie mehr glauben müsstest, dass du nicht gut genug bist (warst) oder dass mit dir etwas nicht stimmt? 

Was tun? Die Gefühle zum Sprechen bringen!

 

Der erste Schritt ist, dir deiner eigenen Wahr-Gebungen bewusst zu werden. Erst wenn dir etwas bewusst ist, kannst du es ändern. Logisch!

 

Eine Möglichkeit ist, dich an eine konkrete Situation zu erinnern, in der du leidvolle Gefühle in Bezug auf den Verlust hattest. Vielleicht bist du gerade durch die Stadt gelaufen und dich hat etwas an den Menschen erinnert. Oder du bist alleine zuhause und vermisst ihn/sie.

 

Welche Gefühle hast du in dieser Situation? Bist du traurig, verzweifelt, wütend, beschämt? Was ist das stärkste Gefühle?

 

Mal angenommen, das Gefühl könnte sprechen! Wie würde es seine Anwesenheit erklären?

 

Die Traurigkeit sagt vielleicht: "Er/sie fehlt mir so. Er/sie sollte hier bei mir sein."

Die Verzweiflung könnte sagen: "Mein Leben ist aus, es gibt keine Hoffnung!"

Die Wut schreit:" Er/sie hat mich im Stich gelassen. Ich bin ihm/ihr total egal!"

Die Scham sagt möglicherweise: "Es liegt alles daran, dass ich nicht gut genug bin! Es ist alles meine Schuld!"

 

Wenn du einen Satz gefunden hast, den das Gefühl "sagt", dann hast du schon einen Teil deiner Wahr-Gebung gefunden! Diese Sätze sind nicht die Realität, sondern das, was du über diese Realität glaubst!. Ich weiß, dass es gar nicht immer so leicht ist, den Unterschied dazwischen zu erkennen.

 

Die Wahr-Gebung untersuchen!

 

Nun kannst du deine Wahr-Gebung daraufhin untersuchen, ob sie eigentlich die Wahrheit ist oder nicht!

 

Dazu nutze ich am liebsten The Work of Byron Katie. Mehr dazu findest du in einigen anderen Blogbeiträgen, z.B. in diesem und hier auf meiner Webseite!

 

Oft ist uns gar nicht klar, dass wir unter unserer eigenen Interpretation der Realität leiden und nicht unter der Realität. Nicht selten erleben wir sogar einen regelrechten Widerstand dagegen, uns das selbst einzugestehen ... weil, dann wären wir ja selbst schuld! Doch mir geht es gar nicht um Schuld! Mir geht es darum, dass du - sobald du die Verantwortung für deine eigene Wahr-Gebung übernommen hast - die Chance hast auf sie einzuwirken, indem du sie infrage stellst (gegen sie zu kämpfen ist ziemlich aussichtslos!).

 

Byron Katie sagt gerne: "Ich lasse meine Gedanken nicht los. Ich untersuche sie und dann lassen sie mich los!" Durch die Praxis der Untersuchung verändert sich die Beziehung zu deiner Wahr-Gebung: du glaubst ihr nicht mehr unbesehen!

 

Wer wärst du ohne deine Geschichte?

 

Wer wärst du ohne deine leidvolle Wahr-Gebung angesichts der gleichen Realität? In meiner Erfahrung und der vieler meiner Klienten wird Trauer ohne eine Geschichte zu Liebe, Dankbarkeit und Mitgefühl

 

Willst du es ausprobieren?

 

The Work of Byron Katie Challenge vom 4. bis 18. Oktober

Mach mit bei der kostenlosen The Work-Challenge, die am 4. Oktober startet!

 

2 Wochen lang begleite ich dich täglich auf Facebook live mit The Work of Byron Katie durch leidvolle Gedanken rund um das Thema Verlust.

 

Hier kannst du auch ohne Erfahrung mit The Work die Gedanken identifizieren, die deinen Schmerz verursachen, sie mit den 4 Fragen untersuchen und Stück für Stück aus dem Leid zurück ins Leben finden!

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Aus der Untersuchung Ihrer leidvollen Gedanken mit The Work werden Sie konkrete Schritte ableiten, wie Sie sich selbst in dieser schwierigen Situation helfen können!